Tablets an Grundschulen

Pilotprojekt mit dem Bildungsministerium Schleswig-Holstein

Beim Thema Lernen mit Tablets in Grundschulen gehen die Meinungen stark auseinander. Die Gegner befürchten das Verschwinden der Kindheit und möchten, dass die Kinder zuerst die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen lernen, ehe sie mit digitalen Techniken arbeiten. Die Befürworter wünschen sich, dass auch schon sehr junge Schülerinnen und Schüler Medienkompetenz erwerben, digitale Technologien kritisch reflektieren, sinnvoll auswählen und angemessen nutzen können. Die Schule sei der richtige Ort dafür, weil dort auch sozial und ökonomisch benachteiligte Kinder unterstützt werden können. Um einen guten Weg einzuschlagen, benötigen wir Erfahrungen. Aus diesem Grund kooperiert die INITIATIVEW DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN seit dem 13. Juni 2016 mit dem Ministerium für Schule und Berufsbildung in Schleswig-Holstein und dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH).

Im Herbst 2015 hatte das Ministerium das Landesprogramm „Lernen mit digitalen Medien“ gestartet und unterstützt mit insgesamt 300.000 Euro Modellprojekte an 20 Schulen, die in einem Wettbewerb ausgewählt worden waren. Die Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN stattet nun drei Grundschulen jeweils mit einem digitalen Klassenzimmer aus. Die drei von der Initiative geförderten Schulen (Schule-am-Heidenberger-Teich in Kiel, Grundschule Sterley und Grundschule Wohltorf) gehörten zu den mehr als hundert Bewerbern des Landesprogramms. Das digitale Klassenzimmer, das den Schulen nun bis Ende des Schuljahres 2016/17 leihweise zur Verfügung steht, umfasst jeweils 32 Tablets, einen interaktiven 65-Zoll-Monitor sowie weitere Soft- und Hardwarekomponenten der Samsung School Solution. Mit diesem Modellprojekt soll die Nutzung digitaler Technologien im Unterrichtsalltag der Grundschulen erprobt und deren Potenzial für neue Lehr- und Lernmethoden und die Unterrichtsgestaltung untersucht werden.

Auch die Lehrerbildung ist Bestandteil des Pilotprojekts. Erfahrenden Pädagogen weisen Lehrkräfte der Grundschulen in die pädagogischen und technischen Grundlagen des Tablet-Unterrichts ein. Sie beziehen sich dabei konkret auf das Grundschul-Curriculum in Schleswig-Holstein. Digitale Techniken eröffnen Lehrkräften neue Möglichkeiten des Austausches. Sie können Netzwerke knüpfen.

Teilnehmende Schulen

  • Grundschule am Heidenberger Teich, Kiel
  • Grundschule Sterley
  • Grundschule Wohltorf

Projektphase IDEEN BEWEGEN Schulbesuche

Vom Museum über den Olympischen Gedanken bis zur Industrie 4.0

30 Schulen, die stehen derzeit im Wettbewerb IDEEN BEWEGEN. Noch hat die Jury nicht getagt, um ihr Urteil zu fällen. Wir haben einige Schulen besucht – ausgewählt nach dem Zufallsprinzip. Begegnet ist uns eine Fülle toller Ideen:

Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt

Museen sind langweilig für Elftklässler? Nicht unbedingt. Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt gibt es für Jugendliche viel zu entdecken – Sehens- und Wissenswertes, niederländische Gemälde aus dem 17. Jahrhundert und Mineralien, altdeutsche Altäre und Dioramen der zoologischen Ausstellung oder Druckgrafiken des Malers Albrecht Dürer, dessen Namen ihre Schule trägt. Weil der Lehrplan für die Einführungs-Phase im Kunstunterricht vorsieht, dass Schülerinnen und Schüler eine Präsentation zu einem selbstgewählten Thema erstellen, hat sich ein Lehrerteam der Gesamtschule entschieden, digital mit Tablet Computern, aber auch analog mit Büchern, Museumskatalogen, Papier, Stift zu arbeiten.  Multimedial und fächerübergreifend: die Fächer Kunst, Biologie, Geschichte und Informatik  sind an Bord. Rund 60 Schüler erkunden das Museum in Darmstadt, suchen Themen aus Kunst, Wissenschaft und Geschichte, fotografieren Exponate und tragen ihre Schätze zurück nach Weiterstadt. In kleinen Teams suchen sie sich Themen – Flora, Evolution, Werden und Sterben – , analysieren deren Bestandteile, stellen die im Museum ausgewählten Exponate dazu in Beziehung und setzen alles in einer Präsentation neu zusammen. Einige machen ein Video oder zeichnen einen Comic und vereinen beides mit einem Intro versehen in einer QR-Präsentation, andere programmieren eine Quizz-App. „So lernen Digital Natives wie viel Arbeit, Kreativität und Ideen in einer App oder Präsentation stecken“,  sagt Projektleiterin Anna Eifert-König.

Kaufmännische Schulen des Lahn-Dill-Kreises in Dillenburg

Wo finden Arbeitgeber künftige Fachkräfte, die hochspezialisiert und zugleich exzellent vernetzt sein werden? Auf Berufsbildungsmessen der Industrie- und Handelskammern. Dort werben  Unternehmen um junge Menschen, die sich an der Schnittstelle zwischen Schule und Arbeitswelt befinden. Und wie erfahren Schülerinnen und Schüler von solchen Vorstellungsrunden? Längst nicht mehr per Flyer oder Zeitung. Besser sei eine App, die sie sich auf ihre Smartphones oder Tablet Computer runterladen könnten, sagen 16- bis 17-jährige Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schulen des Lahn-Dill-Kreises. Sie haben nicht darauf gewartet, dass ihnen ein fertiges Produkt serviert wird. Sie gehen selbst ans Werk und programmieren eine respektable App für die jährlich stattfindenden Berufsbildungsmessen der IHK des Lahn-Dill-Kreises – mit Ausstellerverzeichnis, Ausbildungsangeboten, Anfahrtsskizze und Öffnungszeiten. Sie lernen während der sechs Projekt-Wochen, dass die Herstellung einer App viel aufwändiger und schwieriger ist als ihr spielerischer Gebrauch. Einige scheitern – und geben doch nicht auf.  Und erfahren: Der schnell sichtbare Erfolg ist so leicht nicht zu kriegen. Projektleiter Dörte Grisse-Seelmeyer und Klaus Mühl stehen hilfreich zur Seite.

Albrecht-Delp-Schule in Dieburg

Eine Unterweisung, wie sie Tablet Computer bedienen können, brauchen die Schülerinnen und Schüler der Alfred-Delp-Schule im südhessischen Dieburg nicht. „Das ist was für  Lehrer“, sagen sie. Projektleiter Andreas Zöller und sein Kollege Ivo Bauer nehmen die Schülerüberheblichkeit gelassen. Denn sie wollen zeigen, dass man mit einem Tablet nicht nur im Internet surfen und fotografieren kann. Sie erarbeiten mit den Schülern der Klassenstufe 11  Präsentationstechniken. Die können die Jugendlichen vielfältig anwenden  – womöglich bei späteren Bewerbungen. Jetzt jedoch ist erst einmal Fantasie gefragt: Wie könnte eine  Olympiabewerbung Deutschlands für das Jahr 2028 aussehen? Die Schüler des Oberstufengymnasiums wählen sich in Arbeitsgruppe einzelne Städte wie Berlin und München oder Städtepaare wie Hamburg/Kiel und Leipzig/Dresden und erforschen, was das Besondere an diesen Städten ist. München – Tradition mit Dirndl und Kniebundhose, Berlin – die Stadt der schrägen Vögel. Auf einer Exkursion zum Magistrat der Stadt Dieburg erfahren die Jugendlichen von Praktikern, was eine Verwaltung bei der Ausrichtung von Großveranstaltungen beachten muss. Und selbstverständlich entwerfen sie Szenen olympischer Disziplinen: Speerwerfen, Kugelstoßen, oder Basketball. Zu all ihren Einfällen formulieren sie Storyboards und filmen die Szenen mit den Tablets – die einen sind Kameraleute, die anderen Schauspieler und wieder andere Regisseure. Die fertigen Image-Clips der Städte fügen die Regisseure der Teams und die beiden Lehrer zu einem großen Imagefilm „Wir holen Olympia nach Deutschland“ zusammen. Schulleiterin Ursula Krell und ihre Vize Anja Krapp loten mit dem Projekt eine mögliche Zukunftsausstattung der Schule aus. Und das Projekt leuchtet über die Schulgrenzen hinaus:  Murat Alpoğuz,  pädagogischer Leiter vom Medienzentrum des Landkreises Darmstadt-Dieburg, beobachtet das Projekt mit großem Interesse.

DIGITALER UNTERRICHT AN DER REALSCHULE BROICH

ERFAHRUNGEN EINER SIEGERSCHULE MIT DEM DIGITALEN KLASSENZIMMER

Der perfekte Wurf, die beste Sprinttechnik oder die schönste Bananenflanke – alles auf Video festgehalten. Im Sportunterricht an der Realschule Broich in Mülheim an der Ruhr ist das Tablet mittlerweile fester Bestandteil. So werden mit der Videoanalyse zum Beispiel Bewegungsabläufe gefilmt und später gemeinsam analysiert. „Manche Dinge muss man sehen, um sie zu verstehen. Die Kinder lernen damit die richtigen Bewegungsabläufe viel schneller“, erklärt Sportlehrerin Linda Delzig. Die Tablets sind Teil des digitalen Klassenzimmers von Samsung, das die Realschule Broich in Mülheim an der Ruhr im Rahmen des bundesweiten Schulwettbewerbs der Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN gewonnen hat.

TABLETS MOTIVIEREN

Die Schülerinnen und Schüler der Realschule arbeiten nicht nur im Sportunterricht mit den Tablets. Regina Behrendt war eine der ersten, die sich vor zwei Jahren mit ihrer damaligen Klasse am Wettbewerb IDEEN BEWEGEN bewarb. Mit ihrem Projekt „WhatsOn“, das sich mit Cybermobbing auseinandersetzt, belegten sie den 1. Platz in der Klassenstufe 7–8. Die Deutschlehrerin setzt das digitale Klassenzimmer weiterhin gerne im Deutsch- oder Kunstunterricht ein. So lässt sie die Klasse beispielsweise Märchen am Tablet in die heutige Zeit umschreiben oder Comics erstellen. „Das Märchenschreiben macht ihnen ganz besonderen Spaß“, sagt Frau Behrendt. Mit den Tablets kann die Lehrerin ihre Schülerinnen und Schüler besonders gut zum Schreiben motivieren. Sehr hilfreich findet sie außerdem den integrierten Stift (S-Pen) des Tablets, mit dem wie gewohnt Texte handschriftlich festgehalten werden können, sowie die zahlreichen Apps, die sie im Unterricht einsetzen kann. Bei Bedarf kann auch eine physische Tastatur genutzt werden.

MEDIENKOMPETENZ STÄRKEN

Laut JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest sind mittlerweile Tablets in fast der Hälfte der deutschen Haushalte vorhanden. Die digitale Ausstattung der Schulen dagegen steht oft noch am Anfang. Die Realschule Broich geht mit gutem Beispiel voran und stattet neben dem neuen digitalen Klassenzimmer ihre Räume mit Medientafeln und Beamern aus. Jeder Jahrgang hat eine MINT-Klasse, und eigens ausgebildete Medienscouts der Schule beraten ihre Mitschülerinnen und -schüler in Sachen Internetsicherheit und Social Media. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler Anleitungen für den Einsatz des digitalen Klassenzimmers im Unterricht entwickelt.

Die Klasse von Frau Behrendt ist sich einig, dass der digitale Unterricht Spaß macht: „Das ist besser als normaler Unterricht. Man macht selber etwas. Das ist nicht so langweilig.“ Nähere Informationen zur Schule und zum Projekt finden Sie unter www.realschule-broich.de.