WIE MACHEN SIE DAS, HERR HÜBNER?

DER LEHRER EINES SIEGERPROJEKTES VERRÄT SEINE ARBEITSWEISE

Tobias Hübner ist engagierter Deutschlehrer und mittlerweile Experte im digitalen Unterrichten. Er wurde im 2. Schulhalbjahr 2013/14 zusammen mit seinem damaligen Deutschkurs am St. Georg-Gymnasium Bocholt für das Projekt „‚Der digitale Kanon‘ – kompetenzorientiert unterrichten mit Tablets & Smartphones“ mit dem ersten Preis im Wettbewerb zur digitalen Schule ausgezeichnet. Zudem ist er mit seinem Online-Blog MEDIENISTIK.DE über digitalen Unterricht für den deutschen Engagementpreis nominiert. In einem Gespräch mit dem Koordinationsbüro der Initiative beschreibt er die Vor- und Nachteile des Einsatzes digitaler Technologien im Unterricht und gibt Ratschläge, wie man diese in den Lehrplan integrieren kann.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie im Einsatz digitaler Technologien im Unterricht?

Einer der größten Vorteile digitaler Technik im Klassenzimmer ist natürlich die Möglichkeit, einen aktuellen und motivierenden Unterricht zu gestalten. Hinzu kommt etwas, das ich einmal „gesteigerte Professionalität“ nennen möchte. Damit meine ich, dass man z.B. die Arbeitsergebnisse digital speichert und dadurch natürlich auch Zugriff auf die Ergebnisse vorheriger Stunden hat. Spannend sind auch die Möglichkeiten, die sich im Bereich individuelle Förderung bzw. Inklusion ergeben.

Alle diese Vorteile kommen natürlich nicht von selbst. Der Einsatz von Technik bedeutet immer auch einen höheren Verwaltungsaufwand und natürlich stellt die Finanzierungsfrage viele Schulen vor große Probleme. Auch für den Lehrer ist digitaler Unterricht erst einmal mit Mehraufwand verbunden. Es dauert einige Zeit, bis man auf einen Ideen-Pool und Unterrichtskonzepte zurückgreifen kann. Hier hilft natürlich der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, nicht nur aus der eigenen Schule, sondern aus ganz Deutschland bzw. weltweit über soziale Netzwerke.

Leider besteht in Bezug auf den Einsatz digitaler Medien in der Schule auch noch keine endgültige Rechtssicherheit. Es ist z.B. noch nicht einmal eindeutig geklärt, ob man eine gekaufte DVD in der Klasse zeigen darf. Das schreckt viele Lehrkräfte ab, die eine eindeutige Antwort auf die Frage haben wollen, ob sie Schülerinnen und Schüler über soziale Netzwerke kontaktieren, Noten digital speichern oder Unterrichtsmaterialien im Netz veröffentlichen dürfen.

In welchen Situationen setzen Sie digitale Technologien im Unterricht ein?

Wie wahrscheinlich jede Lehrkraft nutze ich digitale Medien vor allem zur Unterrichtsvorbereitung. Im Klassenraum selbst kommt der Beamer meist zur Präsentation von Texten, Bildern, Videos etc. zum Einsatz. Darüber hinaus fotografiere ich viele Schülerarbeiten, um sie anschließend über den Beamer zu präsentieren.

Alle Unterrichtsstunden dokumentiere ich auf einer Moodle-Seite, das ist ein Open Source-System zur Verwaltung von Klassen und Unterrichtsstunden, das ich sehr praktisch finde und das mir viel Arbeit erleichtert. Zudem ist so meine Unterrichtsplanung von jedem Computer aus über das Internet abrufbar. In Nordrhein-Westfalen nutzen wir zudem seit kurzer Zeit unsere eigene digitale Plattform namens LOGINEO, insbesondere für den E-Mail-Verkehr und die Organisation von Terminen.

Wie kann man diese am besten in den Lehrplan integrieren?

In Nordrhein-Westfalen haben die Schulen einen vergleichsweise großen Spielraum, wenn es um die Gestaltung des Unterrichts geht. Man kann sich also als Fachschaft darauf verständigen, verstärkt digitale Medien einzusetzen und das dann relativ leicht im schulinternen Curriculum verankern.

Vor allem der neue, kompetenzorientierte Lehrplan bietet hier viele Möglichkeiten, wie wir in unserem Projekt „Der digitale Kanon“ gezeigt haben.

Welche Technologien setzen Sie ein? Mit welchen Medien arbeiten Sie (auch online)?

Ich glaube mit der Ausnahme von Smart-Watches habe ich schon so ziemlich jedes Gerät, das einen Transistor hat, in der Klasse eingesetzt – vom Taschenrechner über den Fernseher bis hin zu Tablets und Smartphones. Eines der interessantesten Geräte ist für mich der Raspberry Pi, ein nur ca. 40 Euro teurer Minicomputer, mit dem man das Programmieren lernen und diverse elektronische Bauteile ansteuern kann. Ich habe hierzu eine kostenlose Handreichung für Lehrkräfte auf meiner Internetseite MEDIENISTIK.DE veröffentlicht.

Welche Tipps haben Sie für Lehrkräfte, die digitale Technologien im Unterricht einsetzen möchten?

Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, sich die Zeit zu nehmen, einmal pro Schuljahr eine Unterrichtsreihe zu erstellen, die sich mit digitalen Technologien beschäftigt. Derzeit arbeite ich beispielsweise daran, den Roman „Zero“ von Marc Elsberg im Unterricht einzusetzen. Gerade in Bezug auf die Themen Datenschutz, Algorithmen, den NSA-Skandal etc. gibt es viele Themen, die geradezu danach schreien, didaktisch aufbereitet zu werden. Ich finde, das ist ein sehr spannendes Gebiet, und die Arbeit mit digitalen Technologien gibt mir das Gefühl, mit meinen Schülerinnen und Schülern wirklich wichtige, lebensrelevante Themen in der Klasse zu besprechen.

Darüber hinaus empfehle ich den Besuch von Veranstaltungen wie EduCamps, Bildungsmessen oder Fortbildungen, um sich über neue Trends zu informieren. Für mich persönlich war und ist auch der Aufbau eines professionellen Netzwerks auf Twitter enorm bereichernd.